ESAF 2025: Keine Überraschung (?)
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Es ist keine Überraschung – zumindest nicht für jene, die den Athletik-Boom der Steinstösser über die letzten Jahre verfolgt haben.
Hutmachers Rekorde sind keine Überraschung: Sein Rekord mit dem Unspunnenstein (4,16 m) sowie sein Rekord mit dem Mythenstein (5,06 m) sind das Resultat von jahrelanger Professionalität, akribischer Vorbereitung und aussergewöhnlicher Athletik. Dass gleich drei der insgesamt nur vier Stösse jenseits der 4-Meter-Marke mit dem Unspunnenstein ausgerechnet an diesem einen Samstag in Mollis fielen, spricht Bände. Bis gestern existierte in der 220-jährigen Geschichte des Sports gerade einmal ein einziger solcher Wurf: Markus Maire mit 4,11 Metern am ESAF 2004 in Luzern.
Betscharts Sieg mit 3,98 m ist ebenfalls keine Überraschung. Der junge Betschart entstammt vielmehr einer Generation von Steinstössern, die den Sport letztlich als Konsequenz des – am Rande des ESAF 2022 vom Verbandspräsidenten beschriebenen – «Booms» für sich entdeckt haben. Diesen sportlichen «Boom» trieb nicht nur der Verband, sondern insbesondere die Athleten und namentlich Hutmacher voran: Seine Athletik und seine Leistungen über die letzten Jahre inspirierten eine ganze Generation von neuen Stössern und trieben die etablierte Spitze zu neuen Höchstleistungen an.
Eine entscheidende Rolle spielt dabei die gewachsene Trainerkultur: Nachwuchsathleten wie Betschart profitieren von gezielter Förderung und jahrelanger Erfahrung. So konnte Betscharts einzigartiges Talent am ESAF durch die sechzehnjährige Expertise seines Trainers und Mitstreiters Remo Schuler zur vollen Entfaltung kommen. Dass Betscharts ruhige Ausstrahlung in der Arena in Mollis an jene von Schuler bei dessen erstem ESAF erinnert, ist wohl kaum Zufall.
Nichts davon schmälert die ausserordentlichen Leistungen von Betschart und Hutmacher – im Gegenteil: sie sind dieses Wochenende Zeugnis des goldenen Zeitalters des Steinstossens. Ein Blick auf die Allzeit-Bestweiten untermauert dies eindrücklich: Die zehn weitesten Stösse in der Geschichte des Sports verteilen sich auf die fünf Finalisten des heutigen ESAF, während die übrigen fünf (angeführt vom nun übertroffenen Maire) über mehrere Jahrzehnte verstreut sind.
[Der Bericht von Wolfgang Rytz im Schlussgang vom 2.9. 2025 folgt]